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Produktion von Webisodes unprofitabel

15. April 2010
Eine Reihe von Fernseh-Produzenten schielt auf das Web als Alternative zu den immer klammeren TV-Sendern als Abnehmern.
Aber das ist eine Illusion: eine Werbefinanzierung von web-only-Contents ist auf absehbare Zeit nicht profitabel.
 
Gesetzt einen Share vom TKP von 7 EUR für den Produzenten, so benötigt man ca. 210.000 Views für eine Refinanzierung von 1.500 EUR Produktionskosten. Das würde schon recht knappe 100 EUR/Minute für 15 Minuten bedeuten. Produktionskosten von unter 100 EUR/min können nur billigste Trash-Produktionen sein mit Rückwirkung auf die Reichweite. Ausnahmen gibt es natürlich immer, aber es geht ja darum, ob das ein belastbares Modell für massenweise Produktion solchen Contents ist.
 
Annahme dabei ist, dass es einen Spot (z.B: Pre-Proll) vor der 15-Minuten Show gibt.
Das könnte man ausdehnen, etwa durch Annahme von Werbeinseln/Mid-Rolls etc. , aber ob das hilft – dazu kommen wir gleich…
 

 

Allerdings: 210.000 Views regelmäßig zu erzielen ist unrealistisch! 

Beispiele (Youtube-Abrufe, Quelle: YouTube-Website , Stand 11/2009) : 

  • verschiedene bekannte Webisodes (ich bin von Produzenten bzw. Publishern „gebeten“ worden, keine Namen zu nennen)
    nur in Ausnahmefällen über 10.000 Views. Dabei verweisen die Produzenten darauf, dass die Webisodes neben Youtube auch auf anderen Portalen laufen, ohne dabei Zahlen zu nennen. Ich persönlich halte es für unwahrscheinlich, dass andere Portale die 5-10fachen Views gegenüber Youtube generieren und damit meine Argumente in Frage stellen.  
  •  Inhalte im ARD-Channel: keiner über 120.000 Views 
  • „frag die gurus“ Schmink-Tipps – immerhin 136.000 Views – eine tolle Ausnahme in einer Marktlücke!
  •  in den USA ist es nicht anders:  Beverly Hills 90210 – nur wenige Episoden mit mehr als 50.000 Views  in USA

Realistisch sind vielmehr regelmäßige 50.000 Views. Das entspricht Produktionskosten von 750 EUR/Episode, d.h. bei 15 min je Episode 50 EUR / Minute.  Dafür ist kaum sinnvoll Content zu produzieren.
Spielfilme wie Terminator, James Bond oder Spiderman liegen bei mehr als 2 Mio EUR/Minute, der Tatort bei >10.000 EUR/Min, Serien wie GZSZ sollen bei ca. 2000 EUR/Min liegen, Kochsendungen bei immer noch 170 EUR/Min.
(http://www.htvi.de/Thread18492-Produktionskosten_Serien.aspx – schon älter, aber aus eigener Erfahrung halten sich geringere Technik-Kosten und mehr Overhead etwa die Waage. Daher stimmt es im Groben noch. Ausnahmen gibts immer, wie gesagt)  

Selbst ein Qualitätsfilm, wie HOME von Yann Arthus-Bertrand (1,3 Mio in deutscher Version) hätte bei 30 Spots in 3 Werbeinselns „nur“ 280k EUR eingebracht, hat aber angeblich 20 Mio EUR gekostet. 

Bei der Größenordnung der Faktoren, die zwischen realistischen und notwendigen Parametern liegen,
erübrigt sich dann auch die Debatte um Optimismus/Pessimismus. Also erst bei einer verdreifachung der Werbespots kommt man in einen „gesunden“ Bereich – und hat nach keine Promotion für das Bekanntmachen des Inhaltes gemacht.   

Folge: Webisodes rechnen sich nur mit einem dummen Sponsor,
der zuviel Geld fürs Sponsoring ausgibt.
 

Damit besteht die Notwendigkeit der Produzenten, an die Sender zu verkaufen, weiter. Solange die Sender das toal-buy-ou-Regime aufrechterhalten (können), dominieren sie das Geschäft mit deutschen Bewegtbildinhalten. Solange werden es auch nicht-Sender-Portale (etwa ein deutscher HULU-Ableger) weiterhin schwer haben,  an Qualitätscontents zu kommen. 

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One Comment leave one →
  1. Ehrensenf permalink
    24. April 2010 18:41

    Hallo, mediarise!

    Da die ursprüngliche Version Ihres Artikels keine anderen, nun gelöschten Webisodes nannte als „Ehrensenf“, bezieht sich der Klammersatz „(ich bin von Produzenten bzw. Publishern „gebeten“ worden, keine Namen zu nennen)“ offensichtlich auf unsere E-Mail.

    Wir haben Sie in der Tat gebeten, keine falschen Angaben zu machen. (siehe unsere Originalmail unten) Warum Sie „gebeten“ in Anführungszeichen setzen ist uns ein Rätsel. Wir hatten die Formulierung in Ihrem Impressum…

    „Sollten die Artikel Rechter Dritter verletzten, so bitten wir um kostenfreie Benachrichtigung. Kostennoten für eine Abmahnung ohne vorherigen Kontakt können wir daher nicht akzeptieren und werden die Gebühren vom Verursacher zurückfordern.“

    …so gedeutet, dass Ihnen eine Bitte per Mail lieber ist. Und wir haben es zunächst bewusst nicht-öffentlich gemacht, statt Sie hier öffentlich in den Kommentaren zu korrigieren. Aber das war wohl ein Fehler. Wenn man Ihnen wie gewünscht eine kostenfreie Benachrichtigung zukommen lässt, rümpfen Sie auch die Nase.

    Wir haben Sie übrigens auch NICHT gebeten „keine Namen zu nennen“. (siehe unsere Originalmail unten) Sie lenken hier von Ihren inhaltlichen Fehlern ab.

    Wir haben Sie einzig und allein darum gebeten, keine falschen Behauptungen bzgl. Ehrensenf aufzustellen. (siehe unsere Originalmail unten) All diese Behauptungen haben Sie ja nun auch gelöscht.

    Außerdem hatten wir noch angemerkt, dass Sie keine Quellen für ihre Zahlen nennen. (siehe unsere Originalmail unten) Das haben Sie nun erfreulicherweise nachgeholt.

    Um etwas anderes haben wir Sie nicht gebeten. Mit ihrer Argumentation z.B. haben wir uns überhaupt nicht befasst.

    Ein einfaches „Sorry, wir korrigieren das.“ wäre vielleicht eine etwas angemessenere Reaktion auf Ihre Fehler gewesen.

    Viele Grüße,

    Ehrensenf

    Original-Mail an media rise vom 17.04.2010:

    „Hallo,

    Ihr Blogbeitrag über Webisodes

    https://mediarise.wordpress.com/2010/04/15/produktion-von-webisodes-unprofitabel/

    enthält zahlreiche falsche Angaben zu „Ehrensenf“:

    Ehrensenf gibt es seit 2005 unter ehrensenf.de. Zusätzlich auf YouTube lief Ehrensenf regelmäßig erst seit 2008 (bis Ende 20009). Die Folgen dort wurden immer erst zeitversetzt veröffentlicht, nachdem sie auf ehrensenf.de schon selbstgehostet zu sehen waren. Diese Views tauchen bei YouTube logischerweise nicht auf. Dass Ehrensenf generell „eher unter 2.000 Views“ erzielt, wie es ihr Artikel suggeriert, ist falsch. Die von Ihnen benannte „Ehrensenf-Pilotfolge“ (Quellenangaben fehlen in Ihrem Artikel, aber Sie meinen offenbar eine entsprechende Folge bei YouTube) war die Pilotfolge für ein neues Format innerhalb von Ehrensenf, nicht die erste Ehrensenf-Show überhaupt. Nicht mal die erste Folge bei YouTube. Die erste Folge Ehrensenf lief am 01.11.2005 und nicht bei YouTube.

    Wir möchten Sie bitten, diese falschen Angaben nicht weiter zu verbreiten. Insbesondere nicht in ihrem Blog, in Workshops oder Studien.

    Mit freundlichen Grüßen,“

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